Fragwürdige Erklärungen und kaum Antworten
28. Juli 2008
Die uns kürzlich übersandte 2. Schülerprognose des Ingenieurbüros Hagen enttäuscht. Außer alten Erklärungsmustern und der Aktualisierung der vorhandenen Zahlen gibt das 25 Seiten starke Papier kaum etwas her.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hatte auf eine Aktualisierung der aus dem Jahr 2006 stammenden Prognose gedrängt, da millionenschwere Investitionen in die Hohen Neuendorfer Schullandschaft, z.B. den Neubau einer Grundschule in der Niederheide bevor stehen. Die aktualisierte Fassung sollte nach einem Beschluss der Stadtverordneten spätestens zur Stadtverordnetenversammlung am 26. Juni vorgelegt werden. Zu diesem Termin sollte über den Grundschulneubau abgestimmt werden.
Schon den gesetzten Termin vermochte der Auftragnehmer nicht einhalten. Auch zur Sondersitzung der Stadtverordneten am 10. Juli lag uns das Papier noch nicht vor. Erst am 15. Juli, pünktlich zum Beginn der Sommerferien, wurde uns das Werk durch die Stadtverwaltung zugestellt.
Auch nach gründlicher Lektüre müssen wir feststellen, dass sich die neue Prognose in einem Punkt nahtlos an ihre Vorgängerin aus dem Jahr 2006 anlehnt: sie läßt viele Fragen offen oder beantwortet sie nur unzureichend.
Ausgangspunkt der Neubeauftragung war die Frage, wieso die erste, nur zwei Jahre alte Prognose die Schülerzahlen für das aktuelle Schuljahr um 20% zu niedrig ausgewiesen hatte. Hierauf geht Herr Hagen gar nicht erst ein. Statt dessen stellt er den Ausreißer nach oben als Erklärung ab. Für die kommenden Jahre geht er jedoch wie zuvor von deutlich niedrigeren Schülerzahlen aus.
Dabei bleiben die Erklärungsmuster die selben, die schon vor zwei Jahren umstritten waren. So geht Herr Hagen davon aus, dass der Zuzug nach Hohen Neuendorf künftig geringer ausfallen wird als in den letzten Jahren. Diese Annahme teilen wir weitgehend, obwohl durch einen, zur Zeit in der Bundesregierung vollständigen Umzug der Bundesministerien von Bonn nach Berlin, auch hier noch mit einigen zusätzlichen Zuzüglern gerechnet werden kann. Weiter leitet Herr Hagen aus den statistischen Daten der Vergangenheit ab, dass insbesondere die zugezogenen Frauen, die weniger als fünf Jahre in Hohen Neuendorf wohnen, einen Großteil der hier geborenen Kinder zur Welt bingen. Mag dies rückblickend richtig sein, so unterschlägt Herr Hagen das sich gerade durch den Zuzug junger Frauen (29,4% der Zugezogenen waren jünger als 25 Jahre) das Verhältnis zwischen Zeitpunkt des Zuzugs und dem des Familienzuwachses verschieben wird.
Gravierend mangelhaft ist die Unterstellung der Geburten je Frau. Hier legt Herr Hagen lediglich den Landesdurchschnitt von 1,2 Kindern zu Grunde, ohne die Spezifika von Hohen Neuendorf, insbesondere die Zuzugsstruktur, zu berücksichtigen. Auch wenn er erwähnt, dass die Geburtenrate in Hohen Neuendorf seit einigen Jahren unter denen der Todesfälle liegt, fehlt eine Analyse, was das für die künftig für die Bevölkerungsstruktur bedeutet, denn seine Prognose der Bevölkerungsentwicklung basiert nur auf den neu erteilten Baugenehmigungen. Kein Wort dazu, wie sich das Vererben von vorhandenen Häusern und Grundstücken auf die Bevölkerungsstruktur auswirken wird.
Ferner leitet er die Prognose der künftigen Schülerzahlen aus den hiesigen Einschulungen der letzten Jahre ab. Unberücksichtig ließ er dabei die Kinder, die bisher hier wohnen, aber von ihren Eltern in Berlin zur Schule geschickt werden
Prognose bleibt Prognose. Ein Blick in die Zukunft birgt immer Risiken und Unsicherheiten. Das kann man Herrn Hagen nicht vorwerfen. Dennoch hätten wir erwartet, dass zumindest plausibel dargestellt wird, warum die im Jahre 2006 vorgelegten Zahlen in der Realität bereits zwei Jahre später gravierende Abweichungen aufweisen. Statt dessen wurden die alten Schemata einfach wieder bemüht. Planungssicherheit gibt das nicht.
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